Copyright 2015 Condra e.V.

Die Geschichte des Narren Marawa

Kategorie: Sagen und Legenden
Veröffentlicht: Mittwoch, 27. Januar 2010
Geschrieben von Marawa

Ich bin der Narr, der ewig Lachende, der ewig Weinende, der ewig Herrschende, der ewig Dienende. Ich bin der, der Chaos in die Ordnung bringt, der, der das tut was keiner zu glauben wagt, der, der alles verwirrt.

ICH BIN DER NARR!

Liebe macht verwundbar,
Das war dem roten Übel leider klar,
Zwischen blau und rot da herrscht Zwist.
Das Übel lockt sie fort mit Hinterlist,
Als sie ward geblendet,
Da hat er keine Zeit verschwendet.
Durch schwarz und gelb war die Liebe in Not,
alle andern waren leider schon tot.
Als sie erwachte aus ihrer Blindheit,
Da sah sie den Tod ihrer Liebe mit Leid.
Ihr Zorn entbrannte sogleich,
Und vernichtete schwarz und gelb mit einem Streich.
Nun liegt sie da und tut nichts mehr,
Trauert nur noch ihrer Liebe hinterher,
Und zwischen blau und rot da herrscht nur Zwist.

Marawa berichtet seiner Herrin Furatha von den Ereignissen:

Nachdem Ihr Euch niedergelegt hattet und somit Euren Pflichten in den ewigen Fluten nicht mehr nachgehen konntet, wuchs die Macht eures Gegenspielers Justotep und somit auch die Macht Pyrdracors. Pyrdracors fleischliche Diener, die sich Nekaner nennen, gewannen an weltlicher Macht und breiteten ihr Imperium aus, und so fielen sie einst auch in Condra ein. Unter ihrer Herrschaft wurde der Glaube an unseren Herren Hydracor unter anderem gewaltsam verdrängt und durch den Glauben an Pyrdracor ersetzt. Da Pyrdracors Macht zu groß zu werden drohte und dadurch die Kräfte aus dem Gleichgewicht gebracht wurden, wandten wir, Eure Diener und ich, uns an die anderen Dracor, um diese um Hilfe und Rat zu bitten. Obwohl die meisten Dracor Eure Trauer verstehen konnten, waren sich alle einig, dass es Zeit war, Euch zu erwecken und von Hass, Angst und Trauer zu befreien. Grunata sandte ihre Diener aus, um fähige Helden zu finden, die geeignet waren, die Aufgabe eurer Erweckung zu bewältigen. Ich selbst hätte natürlich aktiv versucht euch zu befreien, wenn es mir nicht durch die Regeln untersagt gewesen wäre. Doch so wurde ich von Dienern Grunatas als passiver Begleiter in Euren Traum gesandt um den Helden eine helfende Hand zu sein.

Wieder war es Justotep, der von unserem Plan erfuhr, und so entsandte er einen seiner Diener in Euren Traum um meiner Hilfe und somit auch Eurem Erwachen entgegenzuwirken. Doch nicht nur Justotep wollte verhindern, dass Ihr erwacht, ein Dämon erfuhr ebenfalls von unseren Plänen und versuchte, diese zu verhindern, indem er in Euren Traum eingriff.

Als Narr nun wartete ich auf die Ankunft der Helden, denen die Diener Grunatas vorher noch den Grund Eures Schlafes in einem Traum offenbarten. Ich empfing sie, und musste dabei mit Bedauern feststellen, dass sie den Grund, warum sie in Eurem Traum waren, nicht verstanden hatten, sie wussten noch nicht einmal, dass sie sich überhaupt in einem Traum befanden. Sie glaubten, in der Zeit zurückgereist zu sein und das sowohl sie als auch die Bewohner Eures Traumes dem Untergang geweiht wären, wenn sie nicht die Ermordung von Araris, Eurem Geliebten, verhindern würden. Ich merkte, dass ich handeln musste, also suchte ich Gespräche mit den Helden, um sie auf die richtige Spur zu lenken. Leider war mir Justoteps Diener, der sich als Steuereintreiber ausgab, schon zuvorgekommen. Er hatte Lügen über mich verbreitet und die Herzen vieler Helden vergiftet, sogar die Herzen der Mesiter, die sich unter den Helden befanden, füllte er mit Zweifel. Doch denjenigen, die sich nicht vergiften oder täuschen ließen, half ich so gut ich es vermochte, wobei ich sehr darauf achtete, dem Steuereintreiber aus dem Weg zu gehen. Denn ein Zusammentreffen von uns hätte, wie Ihr sicherlich wisst, und beide vernichtet und Euch mehr geschadet als geholfen. Am Abend dieses ersten Tages erschien auch der Dämon zum ersten Mal, sein Ziel war es, die Herzen der Helden zu beherrschen um diese gegen euch zu wenden. Auch erschuf er Orks und sandte sie gegen diejenigen Helden die sich von ihm nicht beeinflussen ließen um sie zu schwächen.

In der Nacht wurden einigen Helden Träume von den anderen Dienern der Dracors gesandt, um ihnen verstehen zu helfen, was um sie herum vorging.

Der zweite Tag war ein harter Kampf. Nach langen Gesprächen gelang es mir, zumindest einen kleinen Teil des Vertrauens der Helden zurück zu gewinnen, doch leider konnte ich ihr Herzen nicht vollkommen entgiften und so blieben einige Zweifel. Noch immer geblendet von den Lügen des Steuereintreibers erkannten die Helden deutliche Zeichen von Pyrdracos Macht auf Euren Traum, wie den Eiskristall, der ein Artefakt der Traumwandler gefangen hielt, nicht. Dieser Kristall aus pyrdracorischem Eis wurde durch die Mesiter, welche ihn mit hydracorischem Wasser übergossen, vernichtet.

Als die Helden am Nachmittag wichtige Hilfsmittel, nämlich nekanische Wappenröcke, zu eurer Befreiung aus dem Schutze Pyrdracors bargen und sie mir dadurch zugänglich machten, griff der Steuereintreiber, für die Helden immer noch unerkannt, das erste Mal aktiv in das Geschehen ein. Er schickte uns seine schwarz-gelben Soldaten, um uns die gerade erst gewonnenen Hilfsmittel wieder zu entreißen. Nun griff auch ich erstmals in das Geschehen ein, ich nahm zwei der Wappenröcke an mich, um sie vor den Schergen des Steuereintreibers und den eingeschüchterten Helden zu verbergen. Die Helden wollten den Nekanern die Wappenröcke, die sie forderten, ausliefern, um damit eine Geisel freizukaufen. Doch ich gab nicht nach und offenbarte das Versteck, in dem ich die Wappenröcke aufbewahrte, nicht, auch nicht als man mit von der Geisel berichtete, denn was ist schon das Leben eines einzigen Menschen gegen das Wiedererwachen einer Dracor? Als die Nekaner nun gewaltsam gegen die Helden vorgingen, setzte ich meine Kraft ein, um einige Helden zu beschützen, denn sonst wären sie alle besiegt worden und alle Mühen wären umsonst gewesen. Den Helden gelang es dann auch, die Nekaner zurückzuschlagen.

Einige Zeit später war den Helden nun endlich klar, was ihre Aufgabe war und sie setzten viel daran, diese auch zu erfüllen. Sie bereiteten alles vor und als sich eine günstige Gelegenheit bot, handelten sie; sie töteten Araris mit dem pyrdracor-geweihten Dolch, tarnten sich als Nekaner und hielten die Totenwache. Alles schien perfekt zu verlaufen, doch ich hatte den Dämonen, zu meiner eigenen Schande, völlig außer Acht gelassen und als dieser nun seine Diener entsandte, war ich völlig unvorbereitet. Unter Einfluss des Dämons stehend befahl ein Magier mit Hilfe seiner Magie einem der Helden, den Opferdolch aus Araris´ Brust zu ziehen und ihn dann zu ihm in dem Wald zu bringen. So erwachte Araris in Eurem Traum erneut zum Leben und all der Aufwand schien vergebens. Doch das konnte und wollte ich nicht zulassen, ich begab mich in den Wald, um den Dolch, den keiner der Helden gefunden hatte, zurückzuerobern. Ich hatte Glück, denn ich fand den Magier mit dem Dolch im Wald, er hatte ihn noch nicht dem Dämon, seinem Herren, übergeben. Ich setzte den Magier mit Hilfe eines einfachen Zaubers für einige Zeit außer Gefecht, solange bis ich Zeit fand, mich seiner anzunehmen.

Während ich auf der Suche nach dem Dolch war, enthüllte der Steuereintreiber den Helden seine wahre Gestalt und versetzte sie in Unruhe.

Auf schnellstem Wege brachte ich den Dolch zurück zu dem Helden, damit dieser seine Pflicht erfüllte.

Angesichts der Situation hielt auch ich es für angebracht, meine wahre Gestalt denjenigen zu offenbaren, die mir nun vertrauten. Ich zeigte mich in Begleitung eines Wasserelementares als das was ich seit meiner Erschaffung bin, einer Eurer Diener, Furatha.

Meine letzte Aufgabe bestand darin, würdige Träger für die Bannkristalle zu finden. Den Mut, um gegen die Angst zu bestehen, trug ein Mensch in seinem Herzen. Die Freude, um die Trauer zu überwinden, besaß eine Kenderin und die Liebe, um den Hass zu zerschlagen, lebte in einer Halborkin, die mit ihrer Lieb die oft große Kluft zwischen Menschen und Orks überwand. Als diese Aufgabe getan war, verließ ich den Körper, den ich mir geschaffen hatte, um als körperlose Stimme die Träger der Bannkristalle zu leiten, wenn ihre Zeit anbrach. Dann, als Ihr um Mitternacht erschient und Euren Geliebten tot auf dem Altar erblicktet, habt Ihr Euch von Hass, Angst und Trauer befreit, die euch all die Jahre in eurem Traum festhielten. Nun war die Zeit der Kristallträger gekommen, ihre Aufgabe zu erfüllen. Doch der Steuereintreiber schickte seine schwarz-gelben Truppen, den Hass zu ihm zu bringen und der Dämon begehrte die Angst und schickte seine Orks, sie zu holen. Beide griffen gierig nach der Trauer und hinderten sich gegenseitig. Ihr Ziel war es, Hass, Trauer und Angst erneut in Euch zu bannen, um Euer Erwachen zu verhindern. Doch die Träger der Kristalle erfüllten ihre Aufgabe, wenn auch um einen hohen Preis. Der Dämon wurde von einigen tapferen Kriegern in einem großen Kampf besiegt und ein Mesiter schlug mit der Hilfe von Hydracors Segen den Diener Justoteps in die Flucht. Es war ein glorreicher Tag, an dem tapfere Frauen und Männer ihr Leben riskiert haben und nur wenige ihr Leben verloren. Doch diese wenigen sind nicht umsonst gestorben, sie sind für das göttliche Gleichgewicht und die ewige Harmonie gestorben.

Es lebe Furatha, im Namen Hydracors.

-Marawa, der Narr, Diener Furathas-

Die Geschichte eines Fischers ... als Condra besetzt wurde

Kategorie: Sagen und Legenden
Veröffentlicht: Mittwoch, 27. Januar 2010
Geschrieben von unbekannt

Die Augen des Alten schienen schon lange keinen klaren Blick mehr getan zu haben; doch als er mich plötzlich und unvermittelt direkt ansah, war da ein Glanz und eine Freude, die ich nur in den Augen von Kindern gesehen hatte. Seine Stimme kratzte in seiner Kehle, sie war diesen Weg wohl lange nicht mehr gegangen.

''Nun, mein junger Freund du bist neu hier, nicht???
Das sieht man dir an. Du möchtest gerne wissen, wo du bist und warum dieses Land so ist, wie du es kennen gelernt hast. Nun, setz dich zu mir ans Feuer. Meine Knochen werden kalt, wenn ich nicht am Feuer sitze. Und bring mir was zu trinken. Etwas von dem nekanischen Wein. Das können sie gut, die Nekaner. Wein machen. Weißt du, in der Zeit bevor die
Nekaner hier waren, da gab es auch Wein; aber ein saurer, bitterer Wein war das. Doch, doch ihre Kelter sind besser als die unseren. Es ist lange schon her, dass ich das erste mal nekanischen Wein zu trinken hatte. Vor etwa 30 Jahren war das. Ich war schon etwas älter als du jetzt und verdingte mich als Fischer in Trallum. Eines Tages waren Segel am
Horizont. Viele Segel. Schwarzgelbe Segel. Von großen Schiffen. Eines dieser Schiffe war allein größer als die größten Häuser, die es im ganzen Ort gab. Die Fischer verstanden nicht, wie etwas so riesiges überhaupt schwimmen konnte. Es dauerte nicht lange, bis die Schiffe in der Bucht vor Anker lagen. Kleinere Boote, immer noch so groß wie unsere größten
Schifferboote, wurden zu Wasser gelassen und ruderten auf uns zu. Als sie auf uns zu kamen, wurden einige unruhig. Keiner von uns wusste, wer diese Leute waren, ob es Piraten waren oder Eroberer. Der Erste, der von ihnen an Land ging, war ein junger Mann. Mit stolzem Blick und einer überschäumenden Freude, die man ihm in jeder Faser ansehen konnte, sprang
er von Bord, nachdem die Matrosen am Pier festgemacht hatten.
'Ich grüße euch!' sprach er. 'Mein Name ist Aragor und ich bringe euch beste Geschenke aus dem Land eurer Ahnen, dem Reich Alinos.' Niemand verstand, was diese Worte bedeuten sollten; auf einen Wink von ihm hievten vier der Matrosen ein schweres Fass auf den Pier, dies aber verstanden die Fischer nur zu gut. 'Dies ist ein großer und wichtiger Tag. Darum lasst uns feiern.'

Mit diesen Worten hob er die kleine Handaxt, die an seinem Gürtel gehangen hatte. 'Bester Rotwein von den Hängen von Alinos!' Er ließ die Klinge heruntersausen und öffnete das Fass, dass die Holzsplitter nur so flogen. Die anfängliche Zurückhaltung der Fischer verflog mit
jedem Humpen dieses Weines, der ausgeschenkt wurde. Ich sage dir, dieser Wein hätte sie ihre eigene Schwiegermutter umarmen lassen, so süß und voll im Geschmack Die anderen Boote waren nun auch angelandet und brachte Brot, Fisch, Fleisch und vieles mehr in großen Mengen.

Irgendwann verschwand Aragor mit dem Vorsteher des Dorfes. Die nächsten Tage waren ein großes Fest für die Menschen aus Trallum Es wurde getrunken und gegessen, gesungen und getanzt, sich geschlagen und wieder getrunken. Die Matrosen waren inzwischen an Land gegangen und nach ein paar ordentlichen Schlägereien verstanden sich die Fischer eigentlich
ganz gut den Fremden. Es waren Männer von gleicher Art. Sie alle lebten vom Meer und vom Wein und das verband sie, auch wenn sie aus anderen Ländern stammten. Wir hörten nur am Rande, das Aragor nach Tharemis aufgebrochen war, um vor dem Rat zu sprechen. Doch als er zurückkehrte, änderte sich einiges.

Es war später Nachmittag, als er und seine Begleiter zurückkehrten. Ich weiß es so genau, weil ich grade aus dem Fluss stieg, um meinen Kater los zu werden, als sie angeritten kamen. Die übersprudelnde Freude des Mannes war einem anderen Gefühl gewichen. Er wirkte jetzt sehr kalt. Zwar gut gelaunt aber eher unterhalten als wirklich freudig. Sein Blick war der eines Mannes, der grade plant, seine Schwiegermutter ins Meer zu werfen.

Er gab ein paar kurze Befehle an seine Begleiter, die daraufhin sofort ausschwärmten, um alle Matrosen zusammen zu holen. Keine Stunde später war die Heiterkeit des Festes wie weggefegt. Die Matrosen standen in Reihe am Pier, während Aragor vor ihnen auf seinem Pferd saß. Einige der Matrosen waren noch voll wie einer nur sein kann, aber auch diese standen mit in Reihe. Da habe ich das erste Mal erlebt, wie sehr alle Nekaner Soldaten im Herzen sind. Keiner von ihnen hätte es gewagt, vor seinem Kapitän, seinem General sich eine Blöße zu geben. Von den Fischern war gekommen, was grad noch nüchtern genug war, um den Weg zum Hafen zu finden. Wir staunten über den Anblick.

'Matrosen,' prach Aragor 'wir sind nach langer Fahrt am Ziel angelangt. Nun ist es an uns, unsere Aufgabe zu erfüllen. Wir werden die Dracis, die Pyranis und die Loxis an Land holen und aus ihrem Holz einen Posten errichten. Die anderen Schiffe werden gelöscht und mit minimaler Besatzung zurückgeschickt, um von unserem Erfolg zu berichten und mit Nachschub, und Handelswaren hierher zurückzukehren. Das wäre dann alles. Abtreten und an die Arbeit'.

So kurz und präzise wie seine Anweisungen waren auch die Arbeiten der Matrosen in den nächsten Tagen. Es war mehr als beeindruckend, zu sehen, wie diese riesigen Schiffe an Land gezerrt wurden und ihnen die Planken vom Rumpf gerissen wurden. Die Matrosen bauten ein Fort. Überhaupt glaube ich, dass alles, was die Nekaner bauen, immer irgendwie wie eine Befestigungsanlange aussieht.

Etwa einen Monat später stachen die übrigen Schiffe wieder in See, doch zuvor wurde ihre gesamte Ladung in das neue Fort geschafft. Und was sie nicht alles an Ladung hatten: Kleider, Stoffe, Gewürze, Werkzeuge, Waffen, Schmiedwerk, sogar ein paar Fuhrwerke mit Ochsen waren aus den Schiffsbäuchen herausgeholt worden. Sie hatten wirklich an alles gedacht. Binnen weniger Wochen konnten wir zusehen, wie aus den Matrosen Handwerker,
Fuhrleute und vor allen Dingen Soldaten wurden.

Sobald die Fuhrwerke von Bord gebracht worden waren, wurden sie beladen und brachen schon am nächsten Morgen mit einem ganzen Trupp Soldaten zur Bewachung auf in Richtung Tharemis.

Die Jungs hatten wirklich keine Zeit zu verlieren. So ging es weiter bis ins nächste Frühjahr. Als zum zweiten Mal die schwarzgelben Flaggen am Horizont erschienen, hatten unsere neuen Nachbarn schon einen beträchtlichen Teil des Waldes, der hinter Trallum lag, gerodet und Felder darauf angelegt. Das war das erste Mal, dass es Schwierigkeiten mit den Nekanern gab. Trallum war nie so groß gewesen, dass wir Felder gebraucht hätten in der Größe, wie die Nekaner sie jetzt anlegten. Die riesigen Mengen Holz, die sie schlugen, verwendeten sie, um einen Hafen zu bauen. Aber was das für ein Hafen war! Zwar reichte ihre Kraft nur für einen einzigen Steg, aber dieser Steg war größer als der gesamte Fischerhafen, den Trallum brauchte. Er stach tief hinaus ins tiefe Blau der Bucht. Viele lachten die Nekaner aus ob dieses Bauwerks. »Was wollt ihr hier hinbringen? Ein ganzes Seeungeheuer? Warum baut ihr so groß?«

Ich ahnte damals schon, dass das alles schlimm enden würde.
Ich sollte Recht bekommen.

Als der Nachschub anlandete, trauten wir unseren Augen nicht. Waren wir schon in Ehrfurcht erstarrt, als wir ihre ersten Schiffe sahen, so übertraf das, was sich nun vor uns abspielte, alles, was wir uns je vorstellen konnten. Diejenigen, die gespottet hatten, lachten nicht mehr, als sie sahen, dass sie recht hatten. Diese Schiffe waren die reinsten Ungeheuer. Hatten uns die Boote im letzten Jahr beeindruckt durch ihre Größe, machten uns diese hier Angst. Das waren keine Transportschiffe, das waren Kriegsschiffe. Und noch etwas war anders. Es waren nicht die Matrosen, die von Bord kamen, angeführt von ihrem Kapitän. Die Männer, die nun als Erstes von Bord gingen waren Soldaten durch und durch.

Aragor trat vor um die Neuankömmlinge zu begrüßen. Doch sein Gesicht zeigte keine Freude über das, was er sah. Im Gegenteil, er schien sich zu fürchten vor dem, was dort in seinem Hafen lag. Der Vorsteher unseres Dorfes stand hinter ihm. Beide waren im letzten Jahr fast zu Freunden geworden. Auch er war entsetzt über den Anblick, der sich ihm bot.

Die Soldaten, die von Bord gekommen waren, schoben alle Schaulustigen vom Pier zurück Richtung Land. Eine Planke wurde vom Schiff herüber geschoben.

Zwölf Schwergerüstete marschierten über sie auf den Steg. Die schweren Metall-Panzer schienen irgendwie nicht recht hierhin zu passen. Kein Matrose hätte jemals so etwas angezogen, schon gar nicht auf offener See von der die Schiffe ja grade erst kamen. Dennoch - oder grade deshalb - wirkten diese äußerst bedrohlich, als sie im Gleichschritt auf uns zu kamen, einen Schritt auseinander taten und mit einem schweren dumpfen Knall ihre Schilde bei Fuß auf das Holz hämmerten. Sie standen Spalier für das was da kommen würde.

Eine einzelne hoch gewachsene, hagere Person erschien hinter den Gerüsteten. Ihre langen Haare waren streng zurück gebunden. Das Gesicht wurde verdeckt durch eine Goldene Maske. Sie war völlig ausdruckslos. Selbst die Augen schienen genauso tot zu sein wie der zu einem leichten Lächeln erstarrte Mund. Die feuerroten Schulterplatten trugen seltsame Zeichen, welche in Gold auf das Leder der Platten eingeprägt worden waren. Der Körper der Gestalt war verborgen durch eine lange rote Robe. Am Gürtel, der die Robe hielt, schwang ein Schwert.

Gemessenen Schrittes trat er durch die Gasse der Soldaten und kam auf Aragor zu. Jeder Schritt, den er tat, schien Aragor direkt zu treffen. Als er schließlich stehen blieb und die Stimme erhob, war es, als würde Aragor ganz aus Stein bestehen, so starr stand er da.

'Kapitän Aragor vom Handelshaus Grüntal zu Alinos!' Die Stimme des Fremden war überraschend laut und stark, er war es anscheinend gewohnt, vor großen Mengen zu sprechen.
'Ich teile euch hiermit mit, dass der so genannte Alinosische Städtebund im Herbst des letzten Jahres durch ihre Magnifizenz Tragos II. zerschlagen wurde. Die Handelshäuser Gänseklamm, Braunsichel und Altresen wurden aufgelöst. Den übrigen Aufrührern wurde durch die glorreiche Gnade des Kaisers vergeben und ihnen wurde erlaubt, ihren Platz im Nekanischen Imperium wieder einzunehmen, zum Wohle des Volkes. Ich, Sterinos Sarnui, Priester des Destrutep, bin entsandt worden, um hier in Condra die Fortschritte der neuen Kolonie zu begutachten, und um von euch, Aragor, den Treueschwur zu empfangen.'

Damals verstand ich nicht was sich vor meinen Augen abspielte, als Aragor auf die Knie fiel, um den Knauf des Schwertes zu küssen, den ihm der Priester entgegenhielt. Heute wünschte ich, wir hätten uns damals gewehrt, als die Priester und die Armee Nekas von Bord gingen. Wir hätten sie wieder ins Meer stoßen sollen und zusehen, wie sie in ihren schweren Rüstungen jämmerlich ertrunken wären. Aber wir taten es nicht. Wir hießen die Fremden willkommen.